ffm. Höchst ist der älteste römische Fundplatz auf dem heutigen Frankfurter Stadtgebiet. Bereits vor mehr als 2000 Jahren befand sich hier eine römische Anlage, deren Bedeutung weit über die lokale Geschichte hinausreicht.
Die jetzt im Verlag Schnell & Steiner in der Schriftenreihe des Archäologischen Museums Frankfurt (AMF) erschienene zweibändige Publikation „Forschungen zum römischen Höchst“ legt erstmals die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen von 2001/2002 vor und wertet das umfangreiche Fundmaterial aus. Sie ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projektes von AMF sowie Denkmalamt und erschließt die früheste Präsenz der Römer auf Frankfurter Stadtgebiet, Jahrzehnte vor der Gründung des römischen Nida zwischen Heddernheim und Praunheim.
„Höchst ist ein herausragender Ort der Frankfurter Geschichte, dessen Bedeutung weit über die Stadt hinausreicht. Die Publikation zeigt eindrucksvoll, was durch die gute und langfristige Zusammenarbeit zwischen Denkmalamt, Museum und Wissenschaft möglich ist und wie wichtig dafür eine verlässliche städtische Kultur- und Wissenschaftsförderung ist“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.
„Die Untersuchungen führen zu einer neuen Einschätzung des römischen Höchst. Anders als lange angenommen, handelte es sich vermutlich nicht lediglich um ein kurzfristig genutztes Militärlager mit überwiegend logistischen Aufgaben. Die Forschungen weisen mehrere Nutzungsphasen nach und sprechen für einen militärisch-zivilen Charakter des Platzes in der Regierungszeit des Kaisers Augustus (27 vor Christus bis 14 nach Christus). Damit kommt Höchst eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit der römischen Expansion rechts des Rheins und der damals geplanten Einrichtung einer römischen Provinz Germanien östlich des Rheins zu“, sagt Marcus Gwechenberger, Dezernent für Planen, Wohnen und Personal.
Die Lage des Fundplatzes war strategisch günstig: Höchst lag auf einem hochwasserfreien Plateau oberhalb des Mains, an der Mündung der Nidda und damit an wichtigen Wasser- und Landwegen. Das Fundmaterial belegt weitreichende Versorgungsbeziehungen. Transportkeramik und Geschirr aus dem Mittelmeerraum und Gallien zeigen Verbindungen in den Süden und Westen des Römischen Reiches. Gleichzeitig belegt das gemeinsame Auftreten römischer und handgeformter, nicht-römischer Keramik den Kontakt zwischen der römischen Besatzungsmacht und der einheimischen Bevölkerung. Auch die Untersuchung der Tierknochen liefert Hinweise auf Versorgung und Ernährung.
Die Publikation ist Ergebnis eines langfristigen Forschungsprojekts von Denkmalamt und AMF, das mit den Grabungen 2001/2002 begann. Beteiligt waren zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und Institutionen, darunter die Römisch-Germanische Kommission, hessenARCHÄOLOGIE und die Goethe-Universität Frankfurt. Ergänzt wurden die Untersuchungen durch naturwissenschaftliche Analysen. Eine weitere Grabung des Denkmalamts an der Bolongarostraße 102 im Jahr 2014 floss ebenfalls in die Auswertung ein.
Das Projekt steht zugleich für das Selbstverständnis des AMF als forschendes Museum. Die bei archäologischen Grabungen durch das Denkmalamt geborgenen Funde werden nicht nur bewahrt, sondern gesichert, dokumentiert, wissenschaftlich untersucht und ausgewertet. So entsteht aus archäologischen Hinterlassenschaften neues Wissen über die Geschichte Frankfurts und ihrer Region, das im Museum der Öffentlichkeit präsentiert und vermittelt wird.
Mit den beiden Bänden wird das mehr als zwei Jahrzehnte währende Forschungsprojekt abgeschlossen. Die Ergebnisse sind für die Erforschung der römischen Okkupationsgeschichte weit über Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet hinaus von Bedeutung und schaffen eine wichtige Grundlage für die weitere Forschung zur Zeit der Germanenkriege der Kaiser Augustus und Tiberius.
Bibliographische Angaben
Peter Fasold, Archäologisches Museum Frankfurt, Andrea Hampel (Hrsg.), Forschungen zum römischen Höchst, Stadt Frankfurt am Main; Reihe: Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt am Main, Bandnummer: 23/2, 23/3; 1. Auflage 2026, 616 Seiten, 21 x 28 cm, 200, fadengeheftet; ISBN: 978-3-7954-3440-3, 50 Euro
Bilder zum Termin finden sich unter Forschungen zum römischen Höchst.