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Kräfteverhältnisse verschieben sich – Analyse der Kommunalwahlen 2026

Stadträtin O’Sullivan stellt neue Online-Publikation WAHLEN.ANALYSE vor

Die Kommunalwahlen 2026 sortierten die Kräfte in Frankfurts politischen Vertretungen neu. Wie sich dabei die veränderten Stimmzettel und insbesondere das Kumulieren und Panaschieren ausgewirkt haben, ist zentraler Inhalt der „Frankfurt WAHLEN.ANALYSE“.

„Sehr erfreulich ist, dass wir mit 49,6 Prozent Beteiligung bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung den höchsten Wert seit dem Jahrtausendwechsel haben“, kommentiert Eileen O’Sullivan, Dezernentin für Bürger:innen, Digitales und Internationales und zuständig für Wahlen und Statistik, das Wahlergebnis.

Sowohl in der Stadtverordnetenversammlung als auch in den meisten Ortsbeiräten konnte sich die CDU als stärkste Kraft etablieren. Von den 284 Sitzen in den Ortsbeiräten konnte sie 28 Prozent erringen. In der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung liegt die SPD vor der CDU und den Grünen an erster Stelle.

Bei der Stimmabgabe setzten die Wählerinnen und Wähler verstärkt auf die Annahme vollständiger Listen und veränderten weniger ihren Stimmzettel. So stammen zum Beispiel 71,7 Prozent der Stimmen bei der Stadtverordnetenwahl von unveränderten Stimmzetteln. 18,4 Prozent aller Stimmen fanden sich auf Stimmzetteln von Wählerinnen und Wählern, die nicht eindeutig zu einer Liste tendierten und ihre Stimmen panaschierten.

Auch wenn weniger Stimmzettel verändert wurden, so sind die Auswirkungen für die Listen teilweise beträchtlich. Mit einem Saldo von +48.723 Stimmen konnte die SPD bei der Stadtverordnetenwahl deutlich mehr Stimmen durch Panaschieren gewinnen, als sie auf diesem Weg verlor. Umgekehrt verlor IBF mit -41.590 Stimmen ähnlich viele Stimmen an andere Listen.

Nicht nur für die Listen wirken sich die Veränderungen der Stimmzettel aus: Für einzelne Kandidatinnen und Kandidaten können diese enorme Listenplatzänderungen bedeuten.

Weitere detaillierte Betrachtungen finden sich für alle am 15. März stattgefundenen Wahlen in der „Frankfurt WAHLEN.ANALYSE“. O’Sullivan sagt dazu: „Die bekannten gedruckten Wahlanalysen unserer Statistikstelle gehören der Vergangenheit an und werden mit dieser Wahl durch eine interaktive, digitale Präsentationsform ersetzt. So macht es noch mehr Spaß, die Wahlergebnisse zu betrachten und für sich selbst zu analysieren.“

Weitere Informationen
Die „Frankfurt WAHLEN.ANALYSE“ zu den Kommunalwahlen 2026 ist unter statistikportal.frankfurt.de/wahlanalysen abrufbar.

(Quelle: Stadt Frankfurt am Main)

Bundestagswahl 2025 – die Frankfurter Wahlanalyse

Am Sonntag, 23. Februar, fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt. In den beiden Frankfurter Bundestagswahlkreisen gaben insgesamt 81 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. „Damit haben sich in Frankfurt so viele Menschen an dieser Wahl beteiligt wie seit 1983 nicht mehr“, freut sich die für Wahlen und Statistik zuständige Dezernentin Eileen O’Sullivan über die sehr gute Beteiligung. 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 74,7 Prozent.

In Frankfurt machten 351.880 Wählerinnen und Wähler von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Christdemokraten und Linke gingen als Gewinner aus der Wahl hervor. Die CDU steigerte ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2021 um 6,2 Prozentpunkte und erreichte 24,3 Prozent der Stimmen. Damit wurde sie nun zum dritten Mal in Folge, nach der Landtags- und Europawahl, zur stärksten politischen Kraft in der Stadt. Die Linke konnte ihre Zustimmung um 7,4 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent steigern. Auch die AfD legte zu: Mit 10 Prozent der Stimmen gewann sie 4,9 Prozentpunkte. Sie überzeugte jedoch in Frankfurt deutlich weniger Wählerinnen und Wähler als im Bundesgebiet (20,8 Prozent).

Die großen Verlierer waren die Freidemokraten. Sie mussten in Frankfurt schwere Stimmenverluste hinnehmen (-8,2 Prozentpunkte) und erreichten nur noch 6,6 Prozent. Die Grünen (-5,1 Prozentpunkte) und die Sozialdemokraten (-5,3 Prozentpunkte) verloren ähnlich hohe Anteile. Mit 19,5 Prozent sind die Grünen nur noch die zweitstärkste Kraft. Die SPD belegt mit 17,2 Prozent den dritten Platz.

„Nach dem Bruch der Koalition im Bund ist natürlich besonders interessant, ob und wie sich die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler gegenüber der letzten Wahl verändert hat“, blickt O’Sullivan auf die Wählerwanderungsanalyse. Diese zeigt, dass die CDU ihre ehemalige Wählerschaft zu 90 Prozent und mit Abstand am besten mobilisieren konnte.

Die Linke, Grüne, AfD und SPD präsentieren sich trotz teilweiser Verluste mit robuster Stammwählerschaft und Haltequoten deutlich über 70 Prozent. Die FDP hingegen kann nur 40 Prozent ihrer Wählerschaft halten. Insgesamt verlor sie 22.300 ihrer früheren Wählerinnen und Wähler an die CDU (48 Prozent). Die Grünen wiederum müssen mit 7400 Wählerinnen und Wählern deutlich an Die Linke abgeben. CDU (5000) und AfD (4500) profitieren von Abgängen der SPD.

Die gestiegene Wahlbeteiligung ist auf die starke Mobilisierung dreier Parteien zurückzuführen, insbesondere der Linken. Sie konnte saldiert rund 13.500 Wählerinnen und Wähler für sich an die Urnen bringen, die 2021 noch zu Hause blieben. Aus dem Lager der früheren Nichtwählenden mobilisierten auch die AfD (9300) und das BSW (6200). Die CDU konnte hier trotz ihrer Zugewinne kein neues Wählerpotenzial heben.

Die in der Nacht ausgewertete repräsentative Wahlstatistik, bei der noch einmal 11.759 Stimmzettel aus 21 Wahlbezirken erfasst wurden, stellt die Ergebnisse nach Geschlecht und Altersgruppen dar. Bei den Frauen wiesen die jüngste und älteste Gruppe eine unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung auf. Insgesamt am niedrigsten lag die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 24-jährigen Männern. Vor allem ältere Menschen haben CDU und SPD gewählt. Die Grünen verloren die jungen Wählenden an Die Linke. Die AfD konnte in allen Altersgruppen zulegen, während die FDP in allen verloren hat.

„Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Statistikstelle für ihren herausragenden und unermüdlichen Einsatz in der Wahlnacht. Ihre Arbeit ermöglicht eine sachlich fundierte Einordnung der Wahlergebnisse. Diese Form der Ausarbeitung ist bundesweit einmalig“, sagte O’Sullivan abschließend.

Alle genannten sowie weitere Informationen finden sich in den Frankfurter Wahlanalysen, Heft 77. Das Heft steht unter frankfurt.de/wahlanalysen als PDF-Download zur Verfügung und befindet sich im Anhang.

Download
PDF Frankfurter Wahlanalysen, Heft 77

(Quelle: Stadt Frankfurt am Main)