Schlagwort-Archiv: Münchner Straße

Langer Franz – die Glasmosaiken und andere Kleinigkeiten

Der „Langer Franz“ soll seinen Hut wieder bekommen. Der größere der beiden Rathaustürme am Westrand des Südflügels des Frankfurter Rathauses soll jetzt die Turmspitze wieder bekommen, die er während des Zweiten Weltkriegs verloren hatte. Entsprechende Beschlüsse wurden aktuell gefasst.

Aber auch mit der Notbedachung aus dem Jahr 1952 ist der große Rathausturm gut sichtbar und hinterlässt einen schmucken Eindruck. Da sind die Uhren und die beiden Glasmosaikbilder, die heute den zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Turm schmücken.

Da ist nach Osten der heilige Florian als Schutzpatron gegen Feuersbrunst von Robert Forell und nach Westen der heilige Michael von Karl Julius Grätz als Schutzpatron der Schwachen auf dem Schaft des Turmes abgebildet. Beide und auch deren Ausrichtung machen Sinn, wenn man sich Frankfurts Entwicklung und Geschichte näher betrachtet.

Zur Bethmannstraße hin befindet sich ein Erker im Stil der Frührenaissance. Hinter dessen Fenster residierte ab 1905 Oberbürgermeister Franz Adickes und genoss von dort aus den Ausblick auf Frankfurt.

Der große Rathausturm ist übrigens einem Brückenturm nachempfunden, der einmal die Sachsenhäuser Seite der Alten Brücke begrenzte und bereits im 18. Jahrhundert niedergelegt wurde..

Auch der zweite, etwas niedrigere Turm an der Südecke war angelehnt an ein altes Frankfurter Bauwerk: Der kleiner Bruder entsprach in seinem Dachaufbau dem des Salmensteinschen Hauses, das um 1350 auf der alten Stadtmauer von Frankfurt am Fischerfeld erbaut wurde. Dieser Turm bekam im Volksmund den Namen „Kleiner Cohn“. Da „Kleiner Cohn“ eine Anspielung auf ein antisemitisches Operettenlied aus dem Jahr 1900 war, vermeidet man heute diesen Namen und bezeichnet den kleinen Turm als „Kleiner Rathausturm“. Auf dem linken Bild unten ist der kleine Rathausturm gerade noch am rechten Bildrand zu erahnen.

Anmerkungen

  • Schaut man sich die Zustände auf der Münchner Straße an, stellt man fest, dass Schutzpatron Michael dort einiges zu tun hätte. Ist es Zufall, dass desse Bildnis und die heruntergekommene Straße eine Achse bilden?
  • Geschichtsversessen oder Geschichtsvergessen? Die beiden Notdächer können inzwischen auf eine längere Geschichte zurückblicken als die Originalbedachungen der beiden Rathaustürme.
  • Das letzte Bild wurde korrigiert, der abgebildete Rathausturm ist in die Bildmitte gewandert. Der Blick geht vom Hauptbahnhof aus in die Münchner Straße zum Turm.
  • Die Fotos wurden in den Jahren 2011, 2013 und 2021 aufgenommen.

Musealer Blick auf Frankfurt am Main

Im September 2013 fuhren mal wieder Straßenbahnzüge des Verkehrsmuseums Frankfurt am Main durch die Stadt. Museal klingt alt, aber die ältesten Züge, die bei Veranstaltungen dieser Art unterwegs sind, haben bereits per Knopfdruck zu öffnende Türen. Durch die Scheiben eines Museumszuges wurde dieser Schuhladen erhascht, den es im Jahr 2013 noch gab.

Den Schuhladen gab es auch schon in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Autor kann sich daran erinnern, hier Kinderschuhe anprobiert zu haben. Maximal drei Paar Schuhe waren es in diesen Zeiten, ein paar feste Halbschuhe, ein Paar Sandalen und gegebenenfalls ein Paar Winterstiefel.

Die Straßenbahn fuhr von hier aus weiter in Richtung Willy-Brandt-Platz. Hier passierte sie das Euro-Symbol, für dessen Erhalt zuletzt beinahe das Geld gefehlt hätte. Gelder für gewichtige Veränderungen auf der dem Symbol gegenüberliegenden Seite sind jetzt frei gegeben worden, es werden eine neue Oper und ein neues Schauspielhaus entstehen.