Schlagwort-Archiv: Rainer Römer

Pfingsten: Neues großes Stadtgeläute – zweite Premiere für „supra urbem“

Bereits zum zweiten Mal erklingt vor Pfingsten am Samstag, 23. Mai, ab 16.30 Uhr für rund eine halbe Stunde das Große Frankfurter Stadtgeläute unter dem Titel „supra urbem“. Da bei der Premiere im vergangenen Jahr die Komposition bei der Glockenprogrammierung unterschiedlich interpretiert worden ist, findet in diesem Jahr gewissermaßen eine „Zweite Premiere“ der Fassung der Ensemble Modern-Mitglieder Hermann Kretzschmar und Rainer Römer statt.

„Eine Tradition in neuem Gewand: Mit dem Großen Stadtgeläute in der Version des Ensemble Modern verbinden sich zwei große Frankfurter Institutionen“, sagt Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff, der im Magistrat auch für die Dotationskirchen zuständig ist. „Ich freue mich schon sehr auf die ‚Zweite Premiere‘ und bin gespannt, die erneuerte Fassung des Klangerlebnisses so zu hören, wie die beiden Komponisten sie sich vorgestellt haben. Ich empfehle allen Interessierten, sich zu einem kleinen Spaziergang durch die Frankfurter City aufzumachen und das Glockenkonzert vor Ort zu erleben. Denn es ist wirklich eine besondere Atmosphäre, wenn sich die Glocken der Innenstadtkirchen beim Großen Stadtgeläute zu einem überdimensionalen begehbaren Musikinstrument zusammenschließen.“

Christian Fausch, künstlerischer Manager und Geschäftsführer des Ensemble Modern, ergänzt: „Theater- und Konzertgänger:innen wissen, dass Uraufführungen selten die besten Vorstellungen sind. Da klappert es manchmal noch an der einen oder anderen Stelle, greifen die Abläufe noch nicht restlos ineinander. Umso wichtiger sind Zweit-, Dritt- und weitere Aufführungen, die das ganze Potential der Werke ausloten. Mit dem Großen Stadtgeläute der Ensemble Modern-Mitglieder Hermann Kretzschmar und Rainer Römer ist das nicht anders und wir freuen uns nun, ‚supra urbem‘ in voller Perfektion zu erleben.“

Das Große Stadtgeläute findet nur viermal im Jahr statt: an den Samstagen vor Ostern, Pfingsten, dem 1. Advent sowie an Heiligabend. Dabei vereint es 50 Glocken von zehn Innenstadtkirchen zu einem einzigartigen Konzert im öffentlichen Raum. Im vergangenen Jahr erklang die neue Fassung, die jetzt immer an den Pfingstsamstagen gespielt werden soll, als Welturaufführung – schließlich steht auch das kirchliche Pfingsten für Erneuerung. Allerdings haperte es etwas mit der technischen Umsetzung. Dabei zog die Weltpremiere 2025 mehr Zuhörerinnen und Zuhörer in die Innenstadt. Die Datenplattform der Stadt Frankfurt verzeichnete am Römerberg rund 63 Prozent mehr Personen als am Pfingstsamstag 2024 und sogar über 93 Prozent mehr als zur gleichen Uhrzeit eine Woche früher.

In der neuen Fassung werden die Glocken von den höchsten bis zu den tiefsten Tönen zunächst einzeln vorgestellt, damit man die jeweilige Klangfarbe und Charakteristik jeder Glocke wahrnehmen kann. Nach rund 15 Minuten vereinen sich die Glocken schließlich zum vertrauten Gesamtklang. Auch künftig soll „supra urbem“ jeweils am Pfingstsamstag erklingen, während an den anderen drei Terminen weiterhin die klassische Komposition nach dem Klangkonzept des Mainzer Glockensachverständigen Professor Paul Smets aus dem Jahr 1954 geläutet wird. 

Der Titel „supra urbem“ (lateinisch: „über der Stadt“) entstammt einem Reisebericht von Thomas Mann. Darin beschreibt er den Moment, als er bei seiner Ankunft in Rom zum ersten Mal die Glocken der Stadt aus der Ferne hörte – ein eindrucksvoller Klang, der über der Stadt zu schweben schien.

Das erste Läuten aller Frankfurter Glocken ist bereits zur Begräbnisfeier von Kaiser Ludwig IV im Jahr 1347 belegt. Daraus entstand eine lange Tradition: Auch bei Anlässen wie den Wahlen von Königen und Kaisern oder Goethes hundertsten Geburtstag ließ man die Kirchenglocken läuten. 1856 beschloss der Senat der Freien Stadt Frankfurt dann, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten ein Geläute zu veranstalten. Die Komposition des Großen Stadtgeläutes geht allerdings auf den Mainzer Glockensachverständigen Professor Paul Smets zurück, der das Klangbild 1954 konzipiert hat.

Als Ergänzung oder Alternative wird am Pfingstwochenende auf der Internetseite der Stadt Frankfurt am Main auch eine Audiodatei mit dem Geläut freigeschaltet – in der klassischen Komposition. Abrufbar ist diese unter frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/typisch-frankfurt/das-grosse-stadtgelaeute-von-frankfurt-am-main. (Quelle: Stadt Frankfurt am Main)

Anmerkung der Redaktion: An den Begriff „Stadtgeläute“ anstelle von „Stadtgeläut“ mussten sich Rechtschreibprüfung und Redakteur erst einmal gewöhnen.