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Stadt Frankfurt trauert um den Schriftsteller, Filmemacher und Intellektuellen Alexander Kluge

Die Stadt Frankfurt trauert um den Autor, Filmemacher und Intellektuellen Alexander Kluge, der im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Kluge wurde nicht nur zu einem der einflussreichsten Gesellschaftsanalytiker seiner Zeit, sondern war in seinem Leben auf die vielfältigste Art und Weise im Kulturbereich aktiv. Er arbeitete als Autor, Filmemacher, Fernsehproduzent, Drehbuchautor, bildender Künstler und sogar Unternehmer – und ist eng mit der Stadt Frankfurt am Main verbunden. Als Mitbegründer des Neuen Deutschen Films, als Autor und als präziser Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen hat er mit seinem Werk weit über die Grenzen Deutschlands hinausgewirkt. Auch die Stadt Frankfurt würdigte seine herausragende Bedeutung durch die Verleihung des Adorno-Preises im Jahr 2009.

Oberbürgermeister Josef: „Wir verneigen uns vor einem großen Erzähler und Chronisten unserer Zeit“

Oberbürgermeister Mike Josef kondoliert im Namen der Stadt Frankfurt: „Mit Alexander Kluge verliert Deutschland kurz nach dem Tod von Kluges Freund Jürgen Habermas eine der prägendsten Stimmen der Nachkriegszeit. Sein Denken und Erzählen haben die intellektuelle Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart entscheidend beeinflusst. Nicht zuletzt gilt er als einflussreichster Vertreter des Neuen Deutschen Films. Dass er mit dem Adorno-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet wurde, unterstreicht seine enge Verbindung zu unserer Stadt und der hier verankerten Tradition des kritischen Denkens. Wir verneigen uns vor einem großen Erzähler und klugen Chronisten unserer Zeit. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm eng verbunden waren. Alexander Kluges Werk bleibt ein bedeutender Bestandteil der kulturellen Erinnerung unserer Stadt und wird auch künftig Impulse für gesellschaftliche Debatten geben.“

Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner ergänzt: „Alexander Kluge war ein Universalkünstler, ein Schriftsteller, der aber auch die Filmkunst Deutschlands prägte. Er war Lehrender, erfolgreicher TV-Produzent und ein Gesellschaftsanalytiker. Ich habe hohen Respekt für diese breite und zugleich tiefe Lebensleistung. Alexander Kluges Stimme im gesellschaftlichen Diskurs unseres Landes zu verlieren, so kurz nach dem Tod von Kluges Freund Jürgen Habermas, ist ein schwerer Verlust.“

Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, betont: „Der Tod von Alexander Kluge macht mich zutiefst traurig. Mit ihm geht erneut einer der großen Denker, Künstler und Gesellschaftskritiker unserer Zeit von uns. Gerade erst ist sein Freund Jürgen Habermas verstorben, nun verlieren wir mit Alexander Kluge eine weitere kritische Stimme dieser Generation, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt hat und dessen Leben und Werk von dieser Erfahrung geprägt war. Alexander Kluge ist aufs Engste mit unserer Stadt verbunden. Er hinterlässt eine große Lücke – sowohl in der Kulturlandschaft Deutschlands als auch hier bei uns in Frankfurt.“

Kluge ging bei Theodor W. Adorno in die Lehre

Alexander Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren, studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik unter anderem am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main bei Theodor W. Adorno, der ihm die Gedanken der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule näherbrachte. Alexander Kluge freundete sich auch mit Jürgen Habermas an, der nur ein paar Jahre älter war als er. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften promovierte er und arbeitete zunächst als Jurist. Aber er absolvierte auch ein Volontariat beim Film, lernte Fritz Lang kennen und die Liebe zum Film.

Kluge gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films in den 1960er- und 1970er-Jahren und forderte mit dem „Oberhausener Manifest“ die Unabhängigkeit für junge deutsche Filmemacher und eine Abkehr vom traditionellen deutschen Film.

Als Autor schrieb er auch politische Schriften, vor allem aber Kurzgeschichten. Alexander Kluge gehörte zum Kreis der „Gruppe 47“, die in der Bundesrepublik Deutschland die Literaturlandschaft entscheidend mitprägte.

Professor und Poetik-Dozent an der Goethe-Uni und mehrfach ausgezeichnet

Ab 1973 war Kluge Honorarprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und blieb der Stadt auch in der Lehre eng verbunden. Im Sommersemester 2012 übernahm er dort die Poetikdozentur. Parallel dazu entstand ein umfangreiches literarisches Werk, das Erzählung, Theorie und dokumentarische Formen miteinander verbindet. Mit seinen Fernsehformaten und publizistischen Arbeiten blieb er bis ins hohe Alter eine prägende Stimme im intellektuellen Leben Deutschlands.

Für sein Schaffen wurde er vielfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main, den Georg-Büchner-Preis und den Heinrich-Böll-Preis sowie den Deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk.

(Quelle: Stadt Frankfurt am Main)